Downeast on the Farm
Von Patrick F. Albertson
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Von Patrick F. Albertson
Für einen Bundesstaat, der eher für Hummer und Leuchttürme bekannt ist, gibt es in Maine erstaunlich viele Farmen – mehr als 7.600. Die meisten davon sind kleine Familienbetriebe, eingebettet in sanfte Täler und hügelige Weideflächen, die von uralten Gletschern geformt wurden. Dieses glaziale Erbe ist der Grund dafür, dass Maine aussieht wie kein anderer Ort. Auf Postkarten sind sie nur selten zu sehen, doch der Rhythmus ihrer Ernten bestimmt seit Langem das Leben in Maines Küchen und Vorratskammern, prägt das ländliche Leben und versorgt die Menschen in Maine mit frischen, regionalen Lebensmitteln.
Maines landwirtschaftliche Geschichte reicht weit zurück. Lange bevor „regionale Lebensmittel“ zu einer Bewegung wurden, bauten die Wabanaki entlang der Flüsse und Flussmündungen des Bundesstaates Mais, Bohnen und Kürbis an. Europäische Siedler brachten ihre eigenen Traditionen mit und trotzten dem steinigen Boden und dem unberechenbaren Wetter ihre Ernten ab. Im Laufe des 19. Jahrhunderts war der Familienbetrieb Eckpfeiler und Sicherheitsnetz Maines zugleich: ein paar Kühe im Stall, Heu auf dem Dachboden und ein Keller voller Kartoffeln und Äpfel, um durch den Winter zu kommen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichten die Eisenbahnen den Zugang zu größeren Märkten, und die Landwirtschaft begann sich zu spezialisieren. In Down East gediehen wilde Blaubeeren auf den sogenannten Barrens – niedrigen, sauren Böden, auf denen bis heute fast die gesamte wilde Blaubeerernte der USA wächst. Im Aroostook County wurden Kartoffeln zum wichtigsten Erzeugnis, brachten Wohlstand und versorgten Schulen im ganzen Land. Gleichzeitig lieferten die Obstgärten rund um Turner und Monmouth Scheffel um Scheffel knackiger Äpfel, während Milchviehbetriebe vom Cumberland County bis zum Washington County für eine stetige Milchversorgung sorgten.
Heute bewirtschaften Maines Landwirte noch immer rund 1,3 Millionen Acres. Mehr als 96 Prozent dieser Betriebe befinden sich in Familienbesitz, und etwa ein Viertel verkauft direkt an Verbraucher. Viele wenden sich von Monokulturen ab und setzen auf ausgewogenere, nachhaltigere Methoden. So gelingt es diesen kleinen, widerstandsfähigen Betrieben, angesichts moderner Herausforderungen Tradition und Innovation miteinander zu verbinden.
Einer dieser Orte liegt an einer grünen Flussbiegung zwischen dem Kennebec und dem Eastern River in Dresden. Goranson Farm begann, wie so viele Farmen in Maine, mit Kartoffeln und Beharrlichkeit. „Meine Eltern, Everett und Geneva Goranson, zogen kurz vor meiner Geburt im Jahr 1960 aus dem Aroostook County hierher“, erzählt die Landwirtin Jan Goranson. „Sie renovierten ein verlassenes Farmhaus und beseitigten das Gestrüpp, um die alten Felder wieder nutzbar zu machen. Da sie den harten, steinigen Boden im Norden gewohnt waren, konnten sie ihr Glück kaum fassen, dieses Stück Land gefunden zu haben – hochwertigen sandigen Lehmboden, einen alten schlammigen Flussgrund ganz ohne Steine.“
Ihre Eltern betrieben die Farm als Kartoffelbetrieb, wobei Jan und ihre Geschwister nach der Schule und an den Wochenenden mithalfen. Als ihr Vater 1984 erkrankte, kehrte Jan aus Kalifornien zurück, wo sie bis dahin gelebt und gearbeitet hatte. „Damals lernte ich meinen Mann Rob Johanson kennen“, erzählt sie. „Er hatte in der Nähe, in Whitefield, eine Gemüse- und Ahornsirupfarm. Wir begannen gemeinsam Landwirtschaft zu betreiben, kauften meiner Mutter den Hof ab, nachdem mein Vater gestorben war, und sind seitdem hier.
Wer im Juli über die Nebenstraßen des Cumberland, Sagadahoc oder Oxford County fährt, dem fallen als Erstes die Hofstände auf – handbemalte Schilder, ein Holzschuppen unter einem Zuckerahorn, vielleicht eine Kasse, bei der auf Vertrauensbasis bezahlt wird. In Maine gibt es mehr als 400 solcher Stände, damit sogar mehr als Bauernmärkte. Sie sind kleine Außenposten des Überflusses, die Verkaufstheken lokaler Farmen und eine Erinnerung daran, dass in einem Bundesstaat, in dem die meisten Farmen weniger als 180 Acres groß sind, gutes Essen häufig direkt von nebenan kommt.
Hofstände sind zugleich Symbole für Vertrauen und Eigenständigkeit. Für viele Familien ist ein kleiner Verkaufsstand am Straßenrand eine Lebensader, die Lücken zwischen Großhandelsaufträgen oder langen Wintern überbrückt. Bauernmärkte haben die Situation jedoch verändert. Als Jan und Rob anfingen, machte ihr Hofstand mehr als die Hälfte ihrer Verkäufe aus; heute sind es nur noch etwa zehn Prozent. „Wir sind durch die Märkte einfach enorm gewachsen“, sagt Jan. Heute verkaufen sie den ganzen Sommer über auf fünf Märkten und im Winter auf drei.
Wenn Hofstände die Tante-Emma-Läden der landwirtschaftlichen Welt Maines sind, dann sind Bauernmärkte ihre gesellschaftlichen Treffpunkte. Samstags von Mai bis Oktober entstehen sie auf Dorfplätzen, Kirchenparkplätzen und Straßen in den Stadtzentren. Rund hundert davon gibt es zwischen Freeport und Bangor. Dort treffen Landwirte in schlammigen Stiefeln auf Bäcker, Käsehersteller, Fischhändler und Kräuterkundige. Auch Köche kaufen dort ein und richten ihre Speisekarten danach aus, was in der jeweiligen Woche reif ist.
„Auf Märkten lernen die Kunden ihre Lebensmittel und die Menschen kennen, die sie anbauen, und wir können uns mit anderen Landwirten austauschen. Sie sind wichtige ‚dritte Orte‘ – Orte, an denen Gemeinschaften zusammenkommen.“ Diese Märkte nähren mehr als nur den Körper. Sie fördern Beziehungen, geben jungen Landwirten Raum zum Experimentieren, helfen erfahrenen Erzeugern dabei, verwurzelt zu bleiben, und sorgen dafür, dass Nachbarn einander begegnen. Viele akzeptieren inzwischen auch SNAP- und WIC-Leistungen und tragen so dazu bei, dass frische, regionale Lebensmittel für alle zugänglich bleiben.
Dieses Verantwortungsgefühl prägt auch die Art und Weise, wie Jan und Rob Landwirtschaft betreiben. Wie bei vielen Landwirten in Maine ist ihre Geschichte eine Geschichte des Wandels – von konventioneller zu biologischer Landwirtschaft. „Nachdem meine Eltern 38 Jahre lang konventionell gewirtschaftet hatten, brauchten Rob und ich Jahre, um vollständig umzustellen“, erzählt Jan. „Wir hatten das Glück, Kunden zu haben, die den zusätzlichen Aufwand und die zusätzlichen Kosten verstanden.“ Bei der Umstellung arbeitete Jan mit der Maine Organic Farmers and Gardeners Association, kurz MOFGA, zusammen. Die 1971 gegründete MOFGA legte das Fundament für Maines heutige landwirtschaftliche Identität und begann bereits 1972 mit der Zertifizierung von Bio-Betrieben – Jahrzehnte bevor es bundesweite Standards gab. Heute sind mehr als 58.000 der 1,3 Millionen Acres landwirtschaftlicher Nutzfläche in Maine biologisch zertifiziert. Damit liegt der Bundesstaat im Pro-Kopf-Vergleich landesweit weit vorn und beweist, dass gesunder Boden mehr hervorbringt als gutes Essen – er lässt Gemeinschaft wachsen.
Bevor Jan nach Maine zurückkehrte, hatte sie in Kalifornien die erste Welle der Farm-to-Table-Bewegung erlebt. Restaurants wie Alice Waters’ Chez Panisse bezogen ihre Zutaten direkt von regionalen Erzeugern und Bauernmärkten und waren von einem starken Gefühl der Verbundenheit geprägt. Rob experimentierte unterdessen mit Spezialkulturen. Heute bauen Landwirte in Maine häufig gezielt mit Blick auf die Bedürfnisse von Köchen an. Goranson Farm beliefert Restaurants und Geschäfte von Belfast bis Portland, wobei manche Geschäftsbeziehungen bereits seit Jahrzehnten bestehen. Einer der ersten Befürworter dieser Zusammenarbeit war Sam Hayward vom Fore Street in Portland, der lange bevor Farm-to-Table zum Trend wurde, eng mit Landwirten, Fischern und Sammlern zusammenarbeitete. Seine Speisekarten feiern Maines Terroir und das handwerkliche Können kleiner Erzeuger. Melissa Kelly aus Rockland gründete Primo im Jahr 2000 als „ein Restaurant auf einer Farm“ – mit Gärten, Hühnern, Gewächshäusern und Schweinen – und bezog fast alles aus der Region, um den „Kreislauf“ zwischen Boden und Teller zu schließen. Chefköchin Erin French von The Lost Kitchen führt diesen Gedanken weiter und gestaltet ihre Menüs mit Zutaten, die von Bauern und Nachbarn aus der Umgebung geliefert werden, wobei jedes Gericht eine Geschichte erzählt.
Landwirtschaft bleibt jedoch von Unsicherheit geprägt. „Niemand weiß weniger als ein Landwirt, was die Zukunft bringen wird“, sagt Jan. Wetter, Maschinen, Krankheiten, knapper Wohnraum für Arbeitskräfte, sich verändernde Märkte und der Klimawandel stellen allesamt Herausforderungen dar. „Wir verbringen mehr Zeit mit Bewässerung, dem Bau von Gewächshäusern und dem Umgang mit Dürre, extremen Temperaturen und Schädlingen“, fügt sie hinzu. Dennoch bleibt sie überzeugt: „Die Bauernmärkte haben unsere Farm ins 21. Jahrhundert gebracht. Sie ermöglichen es uns, unseren Betrieb aufrechtzuerhalten und unsere Gemeinschaft zu ernähren. Wenn man direkt bei Landwirten einkauft, fließen 100 Prozent jedes für Lebensmittel ausgegebenen Dollars zurück in die Arbeit – und das Risiko –, die mit der Erzeugung dieser Lebensmittel verbunden sind.“
Bei aller Rauheit zeigt Maine eine sanfte Seite, wenn es ums Essen geht. Derselbe Boden, auf dem Kartoffeln und Blaubeeren wachsen, lässt auch Gemeinschaft, Fürsorge und Innovation gedeihen. Wer also die echte Farm-to-Table-Bewegung Maines erleben möchte, sollte eine Nebenstraße nehmen, an einem Stand mit handbemaltem Schild anhalten und kaufen, was gerade Saison hat. Genau dort beginnt die Geschichte wirklich.