SLEEPING ON BOARD
Geschrieben von Alberto Coretti
Beige Unisex-Wendbare gesteppte Wollweste
Brauner Unisex-Overshirt aus Wildleder und Leder
Schwarzer Damen-Lederslipper
Geschrieben von Alberto Coretti
Das Einschlafen ist ein Zeichen, ein Signal dafür, dass Körper und Geist in vollkommener Harmonie mit dem Boot und dem Ozean sind.
In Richtung Horizont in See zu stechen, ist keine Entscheidung, die man leichtfertig trifft. Dabei spielt es keine Rolle, wie groß das Boot ist. Ein Boot ist ein begrenzter Raum, ein hortus conclusus mit Grenzen und Regeln, die man befolgen muss, sobald man auf See ist. In gewisser Weise bedeutet das Ablegen, sich von der Freiheit zu verabschieden, die wir an Land als selbstverständlich betrachten. Denn an Bord müssen wir unseren Raum, unsere Zeit und unsere Vorräte mit dem Rest der Besatzung teilen. Doch die Belohnung ist die unendliche blaue Weite, die vor uns liegt, und der Nachthimmel, an dem Sterne erscheinen, von deren Existenz wir nicht einmal wussten. Und vor allem dieses unerklärliche Gefühl, wenn der Wind die Segel füllt und das Schiff vorantreibt, wirklich mit dem Atem unseres Planeten verbunden zu sein.
Neben einer Tasche mit unseren persönlichen Dingen nehmen wir nicht nur unseren rationalen, aktiven Teil mit an Bord, der logische Entscheidungen trifft, sondern auch unsere emotionale Seite. Und wir vertrauen dem Ozean unser Unterbewusstsein und vor allem unseren Schlaf an. Es entsteht eine stille Vereinbarung der Gegenseitigkeit: Wenn ich wach bin, kümmere ich mich um das Boot, und wenn ich schlafe, kümmert sich das Boot um mich.
Auf langen Überfahrten, wenn endlose Tage und Nächte ineinander übergehen, ohne dass auch nur ein Streifen Land am Horizont erscheint, wird unser eigener Rhythmus vom Auf- und Untergang der Sonne bestimmt. Das Leben an Bord wird Tag und Nacht durch die Wachen strukturiert, und wir wechseln uns dabei ab, das Boot zu überwachen, während der Rest der Besatzung ruht.
Angesichts dieser tiefgreifenden Veränderung unseres alltäglichen Rhythmus suchen wir Trost und Schutz in den umschließenden Rundungen unseres Mutterschiffs: Wir legen uns in den Bauch des Rumpfes und fallen, ohne es zu bemerken, in einen tiefen Schlaf, der uns zu jener vergessenen Geborgenheit der ersten neun Monate unseres Lebens zurückführt. Es ist, als hätte das Meer über die Jahrhunderte hinweg allmählich die Linien jedes Bootes und jedes Schiffes geformt, um die Verbindung zwischen Seefahrt und Mutterschaft bewusst lebendig zu halten.
In der Zeit der großen Segelschiffe ermöglichte das Schlafen „a murata“, also auf den Decks entlang der Bordwände, einigen Besatzungsmitgliedern, sich unter einer wärmenden Decke auszuruhen und dennoch sofort zur Verfügung zu stehen, wenn ihre Hilfe benötigt wurde. Heute, da Boote zunehmend wie Häuser gestaltet sind, suchen Besatzungsmitglieder ihren Schlaf meist in einem Bett inmitten einer geräumigen Kabine, wo sie durch häufiges Knarren, Gerüche oder das Schaukeln des Schiffes gestört werden. Dabei werden nur wenige Meter entfernt, auf den Liegeflächen an Deck, alle Geräusche, die die Stille unterbrechen, einfach Teil jener Klangwelt, mit der uns das Schiff so großzügig in den Schlaf wiegt.
Über mehrere Jahrhunderte hinweg schliefen Seeleute unter Deck in Hängematten: einer Art Tuch, in das sie sich einwickeln und dem Schlaf hingeben konnten. Und dafür hatten sie Christoph Kolumbus zu danken. Nachdem er beobachtet hatte, wie die indigenen Bewohner der Bahamas Hängematten verwendeten, erkannte er darin das ideale Bett für Seeleute: einen ruhigen, bequemen Ort zum Ausruhen, der über dem Boden schwebte, auf dem sich häufig Mäuse, Insekten und anderes Ungeziefer aufhielten. Kurz nach der Entdeckung Amerikas wurden starre Holzkojen zugunsten dieser neuen Schlafmöglichkeit aufgegeben. Im Jahr 1597 begann die britische Marine, Schiffe zu bauen, die speziell für die Unterbringung von Hängematten ausgelegt waren, welche in den Mannschaftsquartieren ordentlich in einem Abstand von 30 cm aufgehängt wurden.
als die Schlafkojen eingeführt wurden, besaß jeder Seemann seine eigene Hängematte. Nach dem Ende seiner Wache begab er sich erschöpft unter Deck und befestigte seine Hängematte an der Decke, um endlich schlafen zu können. Da sie entgegen den Bewegungen des Schiffes schwingt, war und ist die Hängematte der beste Zufluchtsort für alle, die unter Seekrankheit leiden.
Hängematten waren zugleich das „Gefäß“, in dem Seeleute von der irdischen in die geistige Welt überführt wurden: Bevor ihre Körper dem Ozean übergeben wurden, nähten ihre Schiffskameraden die Verstorbenen in den Stoff ein. Der letzte Stich wurde durch die Nase geführt, um sicherzugehen, dass das Leben den Körper tatsächlich und endgültig verlassen hatte.
Manchmal ist Schlafen auf See jedoch gleichbedeutend mit Schlafentzug, zumindest für Einhandsegler ohne Selbststeueranlage oder für unglückliche Besatzungen, die von Verletzungen und Seekrankheit geplagt werden. Tagelang ans Steuer gebunden zu sein und gleichzeitig das Boot und das eigene Bewusstsein auf Kurs halten zu müssen, kann einen dazu bringen, sich in sein Innerstes zurückzuziehen: ein unerträglicher Zustand, eine unmögliche Aufgabe. Man erreicht einen Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, in dem die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen und Halluzinationen die Oberhand gewinnen.
Doch abgesehen von solchen Extremsituationen ist das Einschlafen ein Zeichen, ein Signal dafür, dass Körper und Geist in vollkommener Harmonie mit dem Boot und dem Ozean sind.